Jeden Montagmittag geht es los: Ein leeres Auto fährt vom Bergischen Weiterbildungskolleg in der Pfalzgrafenstraße zur Tafel Wuppertal. Dort holen Studierende Lebensmittel ab, die anschließend von Mitschülerinnen und Mitschülern genutzt werden können. Seit einem halben Jahr koordiniert Denny Mauren aus dem fünften Semester die ehrenamtliche Gruppe.
Entstanden ist das Projekt ursprünglich aus einem Projektkurs der Oberstufe. Mittlerweile haben die Studierenden die Organisation selbst übernommen – mit Genehmigung der Schulleitung. Seitdem werden Fahrerinnen und Fahrer sowie Helferinnen und Helfer eingeteilt. Und das funktioniert hervorragend.
Warum engagieren sich die Studierenden freiwillig? Die Antwort ist erstaunlich einfach: Sie wollen etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft tun.
„Ich bin dabei, weil ich lange Zeit von den zur Verfügung stehenden Lebensmitteln profitiert habe“, erzählt Levi Raimund. Als er erfuhr, dass das Angebot ohne Helferinnen und Helfer verschwinden könnte, war seine Reaktion klar: „Also kümmere ich mich darum.“
Auch Alaa Khwatmi ist seit mehr als einem Jahr dabei. Sie fand das Projekt von Anfang an toll und möchte auf diesem Wege selbst etwas zurückgeben.
Für Brivan Smoqi bedeutet das Engagement noch mehr. Die Studentin hat selbst viele Jahre in Flüchtlingslagern in Griechenland, der Türkei und Wuppertal gelebt und dort bereits ehrenamtlich geholfen. Heute nutzt sie die gespendeten Lebensmittel auch in ihrer eigenen kleinen Wohnung in Wuppertal. Stolz zeigt sie auf ihrem Smartphone ein Foto von einer köstlichen Mahlzeit, die sie daraus gekocht hat.
Für viele erwachsene Studierende ist die Unterstützung ganz konkret spürbar. Andreas Fleck und Matthias Korte, beide auf dem Weg zum Abitur, wissen aus eigener Erfahrung, wie knapp das Geld am Monatsende werden kann. Fleck sagt, die Lebensmittel hätten ihn während seiner Zeit an der Abendrealschule schon manches Mal „gerettet“. Auch deshalb wollen sie mithelfen, damit das Angebot erhalten bleibt.
Andere, wie Max Pabst, engagieren sich, weil sie es einfach schade fänden, wenn das Projekt verschwinden würde.
Und manchmal darf es auch etwas ganz Alltägliches sein: Melih Demiray nennt Ketchup, Instantnudeln, Tortellini oder Schokoladenhäschen als Beispiele für Lebensmittel, über die sich Studierende freuen.
Leticia Seminara bringt es auf den Punkt: Sie hat einen Führerschein und kann mit dem Auto ihrer Eltern helfen. „Ich möchte damit die Gemeinschaft meiner MitschülerInnen unterstützen.“
Das Tafelprojekt am Bergischen Weiterbildungskolleg zeigt damit, wie aus einer zunächst kleinen Idee ein funktionierendes Stück gelebter Solidarität werden kann. Studierende organisieren, fahren, tragen und verteilen – und profitieren zugleich selbst davon.
Unterstützt werden sie dabei von der Schulleitung und den Lehrkräften. Vor allem aber gilt ihr Dank der Tafel Wuppertal sowie den vielen Spenderinnen und Spendern, die diese Hilfe überhaupt möglich machen.
(Text (gekürzt): Bgf)
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